Bewaffnete Konflikte gab es schon die gesamte Menschheitsgeschichte über: Folgerichtig hat sich der Mensch auch seit jeher während solcher Konflikte geschützt – und trotzdem ist heute alles anders als zuvor. Taktische Ausrüstung erfüllt zwar nach wie vor denselben Zweck, sieht heute aber nicht nur anders aus, sondern ist zugleich ganzheitlich anders aufgebaut.
Vorbei sind die Zeiten schwerer, klobiger Körperpanzerungen
Schon in der Antike trugen Soldaten des Römischen Reichs ihre Schuppenpanzer, vorher gab es solche aus Leder und Bronze. Im Mittelalter entschieden sich Ritter für eine maximale Bepanzerung, wobei selbst unter der klobigen Rüstung noch separate Schutzschichten wie das Kettenhemd getragen wurden. Gefertigt wurde die Schutzkleidung damals aus Stahl, normalerweise individuell auf ihren späteren Träger hin. So schützte man sich vor Hieben und Stichen, Geschosse spielten da noch keine Rolle.
Mit der Erfindung der Schusswaffen veränderte sich Schutzkleidung. Schwere Metallrüstungen waren fortan Geschichte, stattdessen verschob sich der Fokus: Geschützt mussten Soldaten weiterhin sein, nun standen aber Aspekte wie deren Beweglichkeit und Tarnung im Mittelpunkt. Erst im 20. Jahrhundert kam es zu dem handwerklich-technologischen Durchbruch, mit dem sich Schutzkleidung grundlegend veränderte. Geschützt wurde nun nicht mehr der gesamte Körper, sondern nur noch der Torso – damit schlug die Geburtsstunde der klassischen Schutz- und taktischen Westen.
Plate Carrier mussten gleich mehrere Zwecke erfüllen
Über Jahrhunderte musste Schutzkleidung nur einen einzigen Zweck erfüllen: ihren Träger schützen. Es gab keine Taschen, wie sich Lasten verteilten spielte keine Rolle und die Rüstungen waren so klobig und schwer, dass ihre Träger sich kaum länger als wenige Stunden darin bewegen konnten.
Moderne Schutzwesten sind im direkten Vergleich eine wesentlich ganzheitlichere und stärker ausbalancierte Lösung. Sie bieten einerseits ballistischen Schutz gegen Geschosse, genauso wird aber auf eine sinnvolle Lastverteilung und Modularität geachtet. Dadurch können Schutzwesten tagelang getragen werden, die Bewegungsfreiheit wird so gut wie gar nicht eingeschränkt. Damit das funktioniert, mussten zugleich andere Materialien her. Leder, Eisen und Stahl wurden in die Annalen der Geschichte verbannt, stattdessen setzen auf taktische Ausrüstung spezialisierte Hersteller wie Agilite auf Verbundstoffe, High-Tech-Fasern und leichte, aber trotzdem robuste Gewebemixe.
Was indes eine Renaissance erlebte ist die Modularität, die schon bei Ritterrüstungen im Mittelalter eine Schlüsselrolle spielte. Dort konnten einzelne Rüstungsteile relativ beliebig miteinander kombiniert werden, ähnlich verhält es sich bei taktischer Schutzkleidung und Plate Carriers. Trägerplatten lassen sich individuell einsetzen, Taschenmodule flexibel nutzen und Befestigungssysteme werden an den späteren Einsatzzweck und die Tragelast angepasst.
Damit veränderten sich zugleich die Einsatzmöglichkeiten, weit über den reinen Einsatz in Kriegsgebieten hinaus. Taktische Kleidung und Ausrüstung wird nun auch in solchen Situationen und Berufen getragen:
- beim Militär und der Polizei
- von Sicherheitsdiensten
- von spezialisierten Sondereinheiten bei taktischen Operationen
- in Outdoor-Umgebungen, wenn mit besonders widrigen Bedingungen zu rechnen ist
Deshalb gibt es auch nicht „die eine“ Schutzweste, die für jeden Zweck die optimale Wahl wäre. Moderne taktische Schutzwesten werden, entsprechend ihrer Funktionalität und des Gewichts, individuell ausgewählt und auf den Einsatz abgestimmt.
Nutzung von taktischer Kleidung im zivilen Raum
Eine weitere Veränderung lässt sich speziell in den letzten Jahrzehnten beobachten: Mehr und mehr militärische und taktische Kleidung wird im zivilen Raum getragen. Plate Carrier gehören eher nicht dazu, aber taktische Rucksäcke und Gürtel beispielsweise. Camouflage-Hosen und Bomberjacken, wie sie ursprünglich von der Air Force im 2. Weltkrieg getragen wurden, sind heute mindestens genauso ein urbanes Fashion-Statement wie taktisches Kleidungsstück.
Das ist vor allem zwei Aspekten geschuldet. Einerseits herrscht in Europa erstmals seit langer Zeit wieder Krieg, zudem befindet sich Europas Rüstungsindustrie in einer Boomphase – und wird den Großteil des Wirtschaftswachstums der Bundesrepublik beisteuern. Andererseits könnte der andauernde Boom von taktischer Kleidung als Wunsch nach Qualität verstanden werden. Naturgemäß ist taktisches Gear ausgesprochen robust und widerstandsfähig. Damit zugleich das genaue Gegenteil von Fast Fashion und Semi-Fast-Fashion.
Während die meisten Kleidungsstücke gefühlt deutlich eher als noch vor zehn oder fünfzehn Jahren verschleißen, überlebt taktische Ausrüstung nahezu alles – schließlich wurde sie genau dafür geschaffen. Praktisch sind taktische Accessoires wie kleine Taschen und Bundles sowieso: Sie wurden von Anfang an platzsparend konzipiert, bieten zugleich aber eine Menge Platz für kleine und große Dinge.
